Kindesmissbrauch ist zwar eine Form von Kindesmisshandlung, doch trotzdem gibt es erhebliche Unterschiede.

Interventionsschritte, die sich bei Kindesmisshandlung- und Vernachlässigung bewährt haben, sind bei sexuellen Kindesmissbrauch nicht ausreichend und verschlimmern oft sogar die Situation von Betroffenen.

Wer Betroffenen von sexualisierter Gewalt wirklich helfen möchte, sollte sich vorher gut mit diesem Thema auseinandersetzen, sonst wird dem Betroffenen noch mehr (seelischen) Schaden zugefügt.

 

Unterschiede zwischen Kindesmisshandlung und Kindesmissbrauch innerhalb der Familie:

körperliche Kindesmisshandlung sexueller Kindesmissbrauch
• Mädchen und Jungen sind von körperlicher Misshandlung gleichermaßen betroffen • von sexualisierter Gewalt sind zum größten Teil Mädchen betroffen
• bei der Misshandlung an Kindern sind meistens beide Geschlechter (z.B. Mutter und Vater) beteiligt

• sexueller Missbrauch erfolgt zum größten Teil durch Männer

(auch wenn Übergriffe von Frauen seltener auftreten, sind diese nicht zu unterschätzen)

• körperliche Misshandlungen erfolgt in der Regel spontan, aus einer Situation und/oder Gefühlslage heraus • sexuelle  Übergriffe werden genau geplant
• Kindesmisshandlung geht (oft) mit lautstarken Beschuldigungen und Beschimpfungen seitens der Täter einher. Auch schreien und weinen die betroffenen Kinder • sexueller Missbrauch geschieht nahezu lautlos

• Nach der Tat bereuen die Täter (oft die eigenen Eltern) die Tat.

Sie werden von einem schlechten Gewissen geplagt und bereuen es, dass sie so reagiert haben

• Nach dem Übergriff verhält sich der Täter so, als wäre nichts geschehen. Er geht zu seinem ganz normalen Alltag über.

Nur in den seltensten Fällen bereuen Täter die sexuellen Übergriffe.

• innerhalb der Familie kann die Misshandlung nicht verheimlicht werden, nach außen hin hingegen schon • sexueller Missbrauch wird sowohl innerhalb der Familie, als auch nach außen hin verschwiegen
• die körperliche Misshandlung kann von Kindern benannt werden (z.B. Schläge oder Tritte)

• (kleine) Kinder können aufgrund des fehlenden Wortschatzes nicht benennen was ihnen angetan wurde.

 

• körperliche Misshandlungen hinterlassen, in den meisten Fällen, sichtbare Verletzungen

• sexueller Missbrauch ist nur medizinisch nachweisbar, wenn körperliche Verletzungen vorliegen.

Doch sexualisierte Gewalt geht sehr oft ohne  körperliche Verletzungen einher.

• für viele ist das Schlagen von Kindern in Ordnung, sie glauben ihnen habe es als Kind auch nicht geschadet.

Tabu ist allein das Ausmaß der körperlichen Misshandlung

• sexueller Missbrauch von Kindern ist verboten und steht unter Strafe

• Ärzte haben, als es darum ging das Tabu Kindesmisshandlung zu durchbrechen, einen großen Beitrag geleistet und sie haben es als gesellschaftliches Problem erkannt

(trotzdem wird auch Kindesmisshandlung aus Angst viel zu oft noch ausgeblendet)

• Ärzte ziehen selbst bei (sehr) auffälligem Verhalten von Kindern einen sexuellen Missbrauch nicht in Betracht.

Selbst wenn Kinder diese Übergriffe benennen, wird ihnen nicht geglaubt.

• Eltern suchen sich oft selbst Hilfe, da sie einsehen sich falsch verhalten zu haben und lernen möchten wie sie solche Übergriffe verhindern können.

Wird die Misshandlung von Dritten aufgedeckt, geben sie die Misshandlung oft zu.

• die starke gesellschaftliche Tabuisierung, die Geheimhaltung (auch innerhalb der Familie), das fehlen von körperlichen Verletzungen und die fehlende Unterstützung für das Kind verhindern, dass sexuelle Übergriffe ans Licht kommen.

Durch mangelnde Beweise für die Übergriffe haben die Täter gute Möglichkeiten die Tat zu leugnen.

Auch wenn das Kind über die sexualisierte Gewalt berichtet brauchen die Täter nur sehr selten Konsequenzen zu befürchten, denn ohne handfeste Beweise wird der Täter nicht belangt.