Selbstverletzendes Verhalten (SVV), oder auch autoaggresives Verhalten genannt, ist für Außenstehende nur schwer nachvollziehbar.

Für Betroffene ist es in dem Moment wo sie sich selbstverletzen oft der einzige Ausweg aus einer für sie sehr belastenden Situation.

 

Selbstverletzungen dienen als:

Notanker : Das von diesen Belastungen ausgelöste Gefühl, nicht mehr zu sein, auseinander zu brechen, sich aufzulösen, abzustürzen wird durch den körperlichen Schmerz durchbrochen. Auch Flashbacks werden durch die Selbstverletzungen unterbrochen.

Selbstverletzungen wirken wie eine Art Notanker angesichts einer inneren Überbelastung.

Der Schmerz entlastet und holt "Weggetretene" wieder ins hier und jetzt zurück.

 

Selbstbestrafung:  Wenn die Wut auf die eigene Person zu groß wird, erleben manche durch Selbstverletzungen eine Art Entlastung. Die Verletzung dient dann zur Selbstbestrafung.

Diese Wut ist oft die Reaktion auf ein Leid, das ihnen selbst angetan wurde. Dadurch, dass sie sich nun, fehlgeleitet in einer Wendung gegen die eigene Person, gegen die eigene Schlechtigkeit richtet, kann sich der Betroffene immer und immer wieder rächen. Er muss nicht die Aggression dessen fürchten, an dem er sich eigentlich rächen müsste.

 

Ventil für inneren Druck:  Selbstverletzungen dienen oft auch als Versuch, dem unerträglichen inneren Druck, der sie zum "Platzen" zu bringen droht, ein Ventil zu schaffen.

Manche erleben sie als "Markenzeichen", als Beweis dafür, etwas besonderes zu sein, was immer noch besser ist, als nichts zu sein.

Selbstverletzungen dienen auch als Zeichen des Triumphs über den Schmerz oder die Feigheit. Wer sich ständig fürchten muss, die Kontrolle über sich zu verlieren, kann hier zeigen, wer nun wirklich "Herr im Hause" ist.

 

Wortloser Appell:  In diesem Fall dienen sie als "Sprache". Dann spricht man vom Appellcharakter der Selbstverletzungen. In diesem Fall signalisieren Selbstverletzungen wortlos einen Zustand, über den man noch nicht sprechen kann.

Vielleicht kann ein solcher Zustand tatsächlich nicht in Worte gefasst werden, weil er aus einer Zeit stammt, in der die Betroffenen noch nicht über Sprache verfügten, mit der sie ihn hätten beschreiben können. Angehörige erfahren in diesem Fall immer wieder, dass sie diese "Sprache" gar nicht richtig verstehen oder dass sie so Widersprüchliches ausdrückt, dass sie ohne Hilfe eines Therapeuten vielleicht für immer unverständlich bleiben muss.

 

Andere manipulieren: Betroffene erleben die Angst, das Entsetzen und auch die Verärgerung, die dieses Verhalten in der Umgebung auslöst und sie entwickeln immer mehr Fähigkeiten, dieses Verhalten auch durchaus manipulativ einzusetzen. Aus der gefühlten Hilfslosigkeit und Ohnmacht wird Macht.

 

Selbstverletzendes Verhalten tritt bei vielen psychischen Krankheiten auf, unter anderen bei:

➔ Borderline-Persönlichkeitsstörung

➔ Depression

➔ Essstörungen ( zählen selbst auch als selbstverletzendes Verhalten)

➔ Missbrauchserfahrungen

➔ Traumatisierungen

➔ Kontrollverlust

Zwangsstörungen

➔ und Körperschema-Störungen

 

Autoaggressives Verhalten hat in der Regel keinen suizidalen Aspekt (trotzdem sollten Suizidandeutungen nicht heruntergespielt werden). Eher das Gegenteil kann der Fall sein, denn durch Spannungs-, Selbsthass- und Wutabfuhr wird ein Suizid zu vermeiden und aufzuschieben versucht.

Doch die zu Grunde liegenden Depressionen, Persönlichkeitsstörungen, unerträgliche Spannungszustände, Nervenschwäche und Nervenerregungen, Dissoziationsphänomene, Selbstzerstörungswünsche und Suchtabhängigkeit können auf die Dauer zu Suizidalität führen und endet in einigen Fällen auch in Suizid.

 

Es gibt verschiedene Arten von Selbstverletzungen, häufig werden mehrere Arten der Selbstverletzung von einer Person angewandt.

 

Bei autoaggressiven Verhalten findet eine Gewöhnung statt, die extremere Verletzungen nach sich zieht um den gewünschten Effekt zu erreichen.

Selbstverletzendes verhalten wird zur Sucht und es ist schwer diesen Teufelskreis zu durchbrechen.

 

Betroffene verstecken meistens die zurückbleibenden Narben/Wunden. Das ist für die Betroffenen teilweise sehr belastend.

Doch die Umwelt hat wenig Verständnis für unseren Weg...

Das macht das Gefühl des Alleinseins und der Hilfslosigkeit nicht kleiner...

 

Auch beim selbstverletzenden Verhalten können Skills helfen.

Skillliste

 

 

 

 

 

Folgende Verhaltensanalyse kann helfen sich einen besseren Überblick über sein Verhalten, was die Selbstverletzungen angeht, zu verschaffen.

labilisierende Bedingungen Auslöser innere Verarbeitung Verhalten Folgen
kurzfristig langfristig  
 

situativ:

 

Problemverhalten: situativ: situativ:

Gedanken:

Gedanken: Gedanken: Gedanken: Gedanken:

Gefühle:

   Gefühle: Gefühle: Gefühle: Gefühle:

Körperreaktionen:

Körperreaktionen:   Körperreaktionen: Körperreaktionen: