Es gibt verschiedene Formen von Essstörungen:

 

Magersucht  (Anorexie):  Abnehmen ist bei vielen Menschen ein gelegentlicher Versuch, einem aktuellen Schlankheitsideal zu entsprechen.

Magersüchtige haben jedoch eine sogenannte Körperschema-Störung, dadurch erleben sich Betroffene sogar bei deutlichen Untergewicht als normal- oder übergewichtig. Da Betroffene große Angst davor haben, zu dick zu werden setzen sie sich eine sehr niedrige Gewichtsschwelle und diese wird oft noch im Krankheitsverlauf nach unten korrigiert.

Für Magersüchtige ist das Körpergewicht von großer Bedeutung, was das Selbstwertgefühl angeht. Mit jeder Gewichtsreduzierung fühlen sie sich ein wenig besser und oft auch von der Gesellschaft akzeptierter.

 

Bei der sogenannten restriktiven Form wird die Gewichtsabnahme durch reine Nahrungsbeschränkung erreicht.

Anorektiker empfinden durchaus Hunger, sie leiden unter ihm, aber sie empfinden Stolz, das starke Hungergefühl kontrollieren zu können.

 

Bei der bulimischen Form wird die Gewichtsabnahme durch aktive Maßnahmen wie massiven Sport, Erbrechen, Abführmittel oder ähnlichen erreicht.

 

Die Risiken der Anorexie sind beträchtlich.

Die Magersucht ist eine lebensbedrohliche Erkrankung.

 

Hinweise und Symptome:

► Gewichtsverlust von 20 Prozent und mehr des Ausgangsgewichtes in relativ kurzer Zeit (ca. 3 Monate).

► Der Gewichtsverlust wird herbeigeführt durch Hungern, Kalorienreduzierung, aktiv herbeigeführtes Erbrechen und Missbrauch von Abführmitteln.

► Gewichtsverlust wird unterstützt durch exzessive körperliche Aktivitäten z.B. Ausdauersportarten.

► Angst vor Gewichtszunahme

► Ständige gedankliche Beschäftigung mit der eigenen Figur und dem Gefühl zu dick zu sein.

► Perfektionismus und Leistungsbereitschaft in allen Lebensbereichen.

Mangel an Krankheitseinsicht: Betroffene finden ihre körperliche Veränderung "ganz normal".

 

 

Körperliche Folgen der Magersucht sind:

➔ Störung der Hormonproduktion (d.h. bei Frauen bleibt die Menstruation aus und bei Männern Libido- und Potenzverlust)

➔Blutdruckabsenkung

➔ der Stoffwechsel verlangsamt sich

➔ Blutarmut

➔ verzögertes Wachstum bei Jugendlichen

➔ Schlafstörungen

➔ Depressionen

➔ Betroffene frieren schnell

➔ trockene Haare und Haut

➔ kalte Finger und Zehen

➔ Nervenschmerzen

➔ Erschöpfung

Schwindel

➔ Haarausfall

➔ sozialer Rückzug

 

Orthorexie (Zwang sich gesund zu ernähren): Wenn eine gesunde Ernährung zum Zwang wird, nennt man das Orthorexie. Orthorektiker essen keine verarbeiteten Lebensmittel, keine Milch, keine Gluten und das Obst und Gemüse sollte Bio sein.

Bei Menschen die unter Orthorexie leiden werden die Gedanken von der gesunden Ernährung beherrscht. Es werden Kalorien gezählt, es gibt einen strikten Ernährungsplan und es werden nur bestimmte Produkte zu sich genommen.

Die Wahrnehmung zu Essen ist gestört und die Betroffenen haben eine ganz eigene Vorstellung, was ungesundes Essen in ihrem Körper anrichten kann. Einige gehen z.B. davon aus, dass Gluten den Körper von innen verkleben können.

Um das Krankheitsrisiko zu verhindern und um schlank zu werden ernähren sich viele Orthorektiker vegan. Sie sind aber nicht zu verwechseln mit Menschen die sich aus Tierschutzgründen vegan ernähren.

Einige verknüpfen die zwanghaft gesunde Ernährung mit dem Wunsch schlank zu sein.

Wenn Betroffene einmal etwas essen, was ihrer Ansicht nach ungesund ist, entstehen große Schuldgefühle.

Die Ängste, die Kontrolle zu verlieren und den Körper zu schaden, werden immer größer.

Ernährungswissenschaftler gehen bei einigen Betroffenen von einer Kopplung von Orthorexie und Anorexie aus, da die gesunde Ernährung und der Wunsch immer dünner zu werden im Mittelpunkt stehen.

Betroffene gestehen sich häufig erst eine Erkrankung ein, wenn sie an extremen Mangelerscheinungen leiden. 

 

Hinweise und Symptome:

► krankhafte Fixierung auf gesundes Essen  (Versuch ungesundes zu vermeiden)

► stundenlanges Grübeln über Nährwerttabellen

►  Prüfung des Vitamingehaltes von verzehrten Lebensmitteln

► Versuch immer "gesündere" Lebensmittel zu bekommen

► vegane Ernährung

►Lebensmittel werden überwiegend in Bioläden oder dem Internet gekauft 

 

Folgen der Orthorexie:

► Lust auf Essen vergeht

► Mangelerscheinungen

► Untergewicht

► Schlaf- und Konzentrationsstörungen

► Antriebslosigkeit

► eingeschränkte Leistungsfähigkeit

► sozialer Rückzug/Ausgrenzung

 

 

Bulimie  (Ess-Brechsucht):  Die meiste Zeit des Tages verbringen Betroffene damit sich mit dem Essen auseinanderzusetzen. Sie haben ein unwiderstehliches Bedürfnis nach Essen.

Menschen die an Bulimie leiden bekommen wiederholte Essattacken, in denen sie in kurzer Zeit große Mengen essen.  Dabei bevorzugen sie Speisen die weich, süß und hoch kalorisch sind.

Gleichzeitig haben Betroffene große Angst davor, zu dick zu werden.

Auch hier liegt eine körperschema-Störung vor.

Bulimiker setzen sich eine niedrige Gewichtsschwelle. Das Selbstwertgefühl ist stark von ihrem Körpergewicht abhängig.

Betroffene wenden ein oder mehrere gegen regulatorische Maßnahmen an, die ein zunehmen auf Grund der Essattacken verhindern sollen. Diese Maßnahmen können folgendermaßen aussehen: selbst induziertes Erbrechen, Einnahme von Abführmitteln, Appetitzüglern oder anderen Medikamenten, übermäßiger Sport oder einlegen von Hungerperioden.

 

Hinweise und Symptome:

► Mindestens zwei Essattacken pro Woche über mindestens zwei Monate. Dabei werden große Mengen leicht verzehrbarer und stark kalorienhaltiger Lebensmittel verschlungen.

► Das Essverhalten kann während der Attacke nicht mehr kontrolliert werden.

► Im Anschluss versuchen Betroffene mit herbeigeführtem Erbrechen, Abführ- oder Entwässerungstabletten oder strengen Diäten die Kalorienaufnahme und damit den Kontrollverlust ungeschehen zu machen.

 

Körperliche Folgen:

➔ Verschiebung der Blutsalze mit der Gefahr von Herzrhytmusstörungen bis hin zum Herzstillstand

➔ blutende Einrisse in Speiseröhre und Magenschleimhaut

Zahnschäden

➔ Kreislaufprobleme

➔ Haarausfall

➔ bei Einnahme von Abführmitteln kann es zur Veränderung der Darmfunktion kommen

 

 

Sport-Bulimie oder Sport-Anorexie: Bei den Betroffenen steht als gewichtsregulierende Maßnahme  eine übermäßige körperliche Aktivität im Vordergrund. An Sport-Bulimie oder Sport-Anorexie Leidende gehen oft über Stunden hinweg mehrmals die Woche einer oder mehrerer Sportarten nach. Sie tun dies, weil sie müssen und nicht, weil es ihnen Freude macht.

Trotz Erschöpfung zwingen sie sich ihr festgelegtes Sportprogramm abzuarbeiten und ignorieren Überbelastungszeichen, Schmerzen oder widrige Wetterumstände sowie andere Lebensinhalte.

 

Wenn es Betroffenen einmal unmöglich ist, ihrem Bewegungsdrang nachzukommen, führt dies meist zu negativen Gefühlen und schlechtem Gewissen. Der Bewegungsdrang ist dabei häufig sehr quälend.

Manchen Betroffenen ist es fast unmöglich sich auszuruhen, über längere Phasen zu sitzen und sich nicht zu bewegen.

 

Bei dieser Form der Bulimie oder Magersucht treten Nahrungsrestriktion, Erbrechen, Einnahme von Abführmitteln und ähnliche Maßnahmen in den Hintergrund.

 

 

Binge- Eating- Störung (BES): Diese Form der Essstörung beinhaltet mindestens zwei Essanfälle wöchentlich über die Dauer von einem halben Jahr.

Während einer Essattacke nehmen Betroffene deutlich mehr Essen zu sich, als andere Menschen, die nicht unter dieser Essstörung leiden, im gleichen Zeitraum essen würden.

Dabei leiden sie an einen Kontrollverlust und können deshalb nicht mehr aufhören oder kontrollieren was und wie viel sie essen.

Betroffene essen häufig wesentlich schneller als normal und bis zu einem unangenehmen Völlegefühl.

Auch ohne körperlichen Hunger nehmen sie während einer Essattacke große Nahrungsmengen zu sich und fühlen sich nachher schuldig, deprimiert oder ekeln sich vor sich selbst.

Aus Verlegenheit über die verzehrte Menge vermeiden Betroffene häufig das Essen in Gesellschaft.

 

Viele Menschen, die an einer Bing-Eating-Störung leiden, haben ein geringes Selbstwertgefühl. Auch bei dieser Form der Essstörung hängt das Selbstwertgefühl vom Körpergewicht ab.

Betroffene nehmen sich das Auftreten der Essattacken häufig selbst sehr übel, sie fühlen sich aber außer Stande dieses zu kontrollieren.

 

Hinweise und Symptome:

► Wiederkehrende Episoden von Heißhungeranfällen, das heißt mindestens zwei pro Woche und dies über sechs Monate.

► Diese Anfälle werden als zwanghaft und unkontrollierbar erlebt.

► Nach dem Anfall stellen sich Unbehagen, Schuldgefühle, Selbstvorwürfe und Depressionen ein.

► übermäßig schnelles Essen, Hinunterschlingen von Speisen

► Essen bis zu einem unangenehmen Völlegefühl

► Essen ohne Hungergefühl

► von Schamgefühl bestimmtes Allein-Essen

► Ekelgefühle nach dem Essen

 

 

 

 

Essstörungen gehören zum selbstschädigenden Verhalten.

Die Essstörung kann eine Flucht vor tiefer liegenden seelischen Problemen sein.

Sie ersetzt oftmals verdrängte Gefühle und Bedürfnisse und verschafft kurzzeitig Befriedigung. Aus diesem Grund sind Betroffene oft schneller, als man denkt, der Essstörung ausgeliefert.

Betroffene sollten auf keinen Fall allein gelassen werden und auf ihrem Weg aus der Essstörung Unterstützung bekommen.

Auch ein stabiles Umfeld ist wichtig, damit der Betroffene halt findet.